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Reutlingen

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30 Jahre Mauerfall - Zeitzeugen berichten über ihr Leben in der DDR

Ost und West waren jahrzehntelang getrennt. Der Eiserne Vorhang, eine Mauer mit Stacheldraht, Todesstreifen und Selbstschussanlagen stand als schreckliche, fast unüberwindliche Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Genau vor 30 Jahren passierte das lange für unmöglich Gehaltene, die Mauer fällt. Um dieses Ereignis zu würdigen veranstaltet die Stadtbücherei Reutlingen derzeit eine Medienausstellung zum Themenkomplex Mauerfall, bei der auch Zeitzeugen zu Wort kamen.

Wer am heutigen Samstagvormittag in der Reutlinger Stadtbücherei war, der hatte nicht nur die Möglichkeit sich unterschiedliche Medien zur Deutsch-deutschen Geschichte auszuleihen, sondern sich auch mit den extra angereisten „lebendigen Büchern" Unterhalten. Eines von ihnen war Mike Michelus. Wie er war vor 30 Jahren vom Mauerfall erfahren hat weiß er noch genau.

Da er in seiner Tübinger Wohnung keinen Fernseher hatte, musste er in die nahegelegene Kneipe, "Boulanger", um die Live- Übertragung vom Mauerfall zu sehen. Zunächst habe er jedoch nicht geglaubt, was er da auf dem Bildschirm gesehen habe, so der Zeitzeuge weiter. Um seine Erfahrungen aus der DDR-Zeit besser veranschaulichen zu können hatte Michelus auch das ein oder andere Requisit dabei. Unter anderem die Attrappe einer Handgranate, mit der er und seine Klassenkameraden sich damals im Sportunterricht auf den nächsten Krieg vorbereiten mussten.

Aufgrund eben dieser Verhältnisse und weil seiner Tochter vom Staat die Heirat mit einem Bundesbürger verboten wurde verließ Klaus Hönnemann mit seiner Familie die Deutsche Demokratische Republik im Spätsommer 1989 über die gerade geöffnete ungarische Grenze. Die Reise gleicht einer Odyssee:

"Wir sind praktisch von Leipzig bis Prag mit der Bahn. Dann weiter mit der Bahn bis zu einem ungarisch-tschechischen Grenzort. Von dort 20 km zu Fuß - über Nacht - in den ersten Ort in Ungarn gelaufen und dann von dort mit der Bahn nach Budapest. Von dort aus ging es mit dem Bus nach Freilassing ins Aufnahmelager und von dort mit dem Zug zu meinem Schwager der uns aufgenommen hat."

Eine Hochzeit war es auch die Zeitzeuge Joachim Pfützenreuter im Jahr 1972, im Alter von 22 Jahren, eine Inhaftierung in einem Stasi- Gefängnis einbrachte. Während seiner Hochzeitsreise wurden er und seine Frau verhaftet.

Das Resultat war, dass das junge Paar die ersten anderthalb Jahre ihrer Ehe nicht in trauter Zweisamkeit, sondern getrennt, in Haft und unter widrigen, traumatisierenden, Umständen verbringen musste. So wie Konstanze Helber, die im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck untergebracht war.

Der Grund für Helbers Inhaftierung war ein Fluchtversuch im Kofferraum eines Autos, bei dem sie, trotz guter Organisation durch ihren westdeutschen Freund, und eine Fluchthilfeorganisation, ertappt wurde. 1979 wird auch Helber von der BRD freigekauft. Ihr damaliger westdeutscher Freund ist mittlerweile seit 40 Jahren ihr Ehemann. Ihren Zuhörern möchte Konstanze Helber mitgeben, dass Demokratie von Engagement  lebt.  

Aber auch davon, dass man diskutiert, so wie es heute in der Stadtbücherei möglich war. Um die Differenzen, die bis heute zwischen Ost und West bestehen, auszuräumen ist es, laut Gertraude Ralle, notwendig, dass man häufiger miteinander ins Gespräch kommt und dem Gegenüber tatsächlich zuhört.

Wer die "lebendigen Bücher" heute verpasst hat, der kann sich weiterhin in der Medienausstellung der Stadtbücherei zum Themenkomplex Mauerfall informieren.


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