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Tübingen

Foto: Pixabay
Zum Gedenken an Hölderlins 250. Geburtstag

Genau heute, vor 250 Jahren, hat einer der wohl größten deutschen Dichter in Lauffen am Neckar das Licht der Welt erblickt: Johann Christian Friedrich Hölderlin. Doch sein Name ist nicht nur untrennbar mit der deutschen Literatur verbunden, sondern auch mit der Universitätsstadt Tübingen. Entsprechend hatte diese ursprünglich auch umfassende Feierlichkeiten geplant, um ihren berühmten Bewohner zu ehren. Im Zeichen der Coronakrise sind diese jedoch abgesagt worden. Dennoch wollen wir es heute nicht versäumen, dieses bedeutenden Poeten, an seinem 250sten Geburtstag, zu gedenken.

"Seid gegrüßt, ihr zufluchtsvollen Schatten, ihr Fluren, die ihr einsam um mich ruht"-

Sehnsuchtsvolle Zeilen eines Knaben, dem ein düsteres Schicksal bevorsteht. Eingesperrt in einem Turmzimmer, mit nur einem Bett und ein paar Büchern, fristet Friedrich Hölderlin Jahrzehnte seines Lebens ein klägliches Dasein – gefangen an der Tübinger Neckarfront. Er habe die letzten 36 Jahre seines Lebens im Turm in Tübingen verbracht und im Stift Hegel & Schelling studiert. Wegen einer Psychose hätte man Hölderlin 1806 in das Uniklinikum eingeliefert, so Prof. Johann- Kreuzer, Präsident der Hölderlingesellschaft.

Von dort als „unheilbar krank" entlassen, kommt der Dichter beim Schreinermeister Ernst Zimmer unter. Dieser hatte Hölderlin bei der Ausführung von Auftragsarbeiten im Klinikum kennengelernt und sich mit ihm befreundet. Laut Valerie Lawitschka, die ehemalige Geschäftsführerin der Hölderlin- Gesellschaft, wäre Hölderlin 1807 bei Ernst Zimmer untergekommen und bis zu seinem Tod 1843, in Kost und Logis bei ihm geblieben.

Während dieser Zeit im Turm entstehen Verse wie:

„Das Angenehme dieser Welt hab' ich genossen,

die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,

April und Mai und Julius sind ferne,

ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne!"

Dabei hatte es einst doch so wunderbar begonnen. Am 21. Oktober 1788, sei Hölderlin nach Tübingen gekommen und habe dann seinen Magister nach zwei Jahren abgeschlossen. Im Anschluss sei ein Theologiestudium üblich, nach drei Jahren habe Hölderlin sein Examen abgelegt und ein Theologe geworden, so Lawitschka.

Damals klingen die Worte des jungen Dichters noch voller Überschwang:

„Froh, als könnt' ich Schöpfungen beglücken,

stolz, als huldigten die Sterne mir,

fleugt, ins Strahlenauge dir zu blicken,

mit der Liebe Kraft mein Geist zu dir."

Die ehemalige Geschäftsführerin der Hölderlin- Gesellschaft betont, dass Hölderlin eine "ungeheure" Erneuerung der Sprache bewirkt habe, die revolutionär und noch heute so "neu" sei, dass sie immer weiter wirke und es immer wieder ungelöste Aufgaben gebe.

Wie passend für einen Mann, bei dem Genie und Wahnsinn wortwörtlich so nahe beieinander liegen wie bei Friedrich Hölderlin – einem der größten Poeten seiner und unserer Zeit.


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